Die Leserbriefe geben die persönliche Meinung des jeweiligen Mitgliedes der GRÜNEN Münsingen wieder.


Sicherheit von Kernkraftwerken

1990 wurde am Filmfestival in Cannes Akira Kurosawas Film „Dreams“ gezeigt. Einer der Träume („Mount Fuji in red“) handelt von einer nuklearen Katastrophe in Japan: 6 Reaktoren explodieren, und was zurückbleibt, ist ein verstrahltes und unbewohnbares Land. Am Schluss sagt eine verzweifelte, umherirrende Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm: „Man sagte uns doch, Atomkraftwerke seien sicher“. Nun, da Kurosawas Horrorvision Wirklichkeit zu werden scheint, reden im „Zischtigsclub“ vom 15. März Vertreter der Atomindustrie und ein „Sicherheitsexperte“ davon, dass die Ereignisse in Japan ihr bisheriges Vorstellungsvermögen sprengen. Wenn dies auch vermuten lässt, dass auf die Vorstellungskraft und die Denkfähigkeit von Technokraten wenig Verlass ist, so dürfen wir doch beruhigt sein: Axpo-CEO Karrer bezeichnet die Schweizer Sicherheitsstandards als die höchsten der Welt, während gleichentags Bundeskanzlerin Merkel die deutschen Atomkraftwerke als die weltbesten darstellt und am französischen Fernsehen Politiker das Gleiche von ihren Kernreaktoren behaupten. Hoffentlich begegnen sie nie der verzweifelten Frau mit ihrem unschuldigen Kind.

Leserbrief von Peter Kissling


Kolumne von Jürg Schacher in der Online-Zeitung "Nein zu neuen AKW" hier lesen


Interview mit Jürg Schacher in der Aargauer Zeitung hier lesen


Thema: Erdbeben in Japan und möglicher nuklearer GAU

AKW-Unfälle – und die Schweiz?

Wie wir alle wissen, ereignete sich vor 25 Jahren in der Sowjetunion ein nuklearer GAU. Um dieses Horrorereignis herunterzuspielen, wird immer wieder hervorgehoben, dass erstens die Technologie des betreffenden Kernreaktors in Tschernobyl längst überholt und zweitens seit 1986 kein ähnlicher Unfall mehr vorgekommen sei.

Doch die Menschheit wird brutal eines Besseren belehrt und die stets beschwichtigende Atomlobby von einem Tag auf den andern in Erklärungsnotstand gebracht: Am 11. März 2011 bebte die Erde in Japan so heftig, dass Medienberichten zufolge ein nuklearer GAU droht und Erinnerungen an die Katastrophe im sowjetischen Tschernobyl wachgerufen werden. Was zusätzlich aufschrecken muss, ist die Tatsache, dass die japanischen AKWs nicht marode Sowjetreaktoren sind, sondern heutigen höchsten Sicherheitsnormen entsprechen.

Es drängt sich die beängstigende Frage auf: Wird es auch die Schweiz treffen? Die Lektion ist gelernt – der Atomausstieg ist ein Muss!


Jürg Schacher, Kernphysiker, Uni Bern und CERN Genf, 13. März 2011


AKW-Debatte

Ich verfolge die AKW-Debatte als Ausländer quasi als "Zuschauer". Es ist ja unglaublich, wie die Atomlobby und die sogenannt bürgerlichen Parteien die Meinung der Bevölkerung mit ihren teuren Kampagnen "kaufen". Ich fürchte, dass sie damit Erfolg haben werden.

Die Argumentationskette der Mühleberg-Gegner könnte meiner Meinung nach auch besser sein als hauptsächlich auf das Zwischenlager und Slogans wie Atomkraft ist unsicher zu verweisen. Folgende Gegen-Argumente kommen mir viel zu kurz:

Peter Latus, Februar 2011

Vertrauen verspielt ...

Wenn die BKW "grosszügig" 1000 mal 1000 Franken an neue Solaranlagen beisteuern will, genau diesen Betrag aber vorher den Herstellern und Installateuren abknöpft und diese erst noch nötigt, bei ihnen Strom zu posten (vgl. Bericht im Beobachter vom 3.2.11), dann verzichte ich dankend auf ein solches "Geschenk".

Den Bau einer Solaranlage auf unserem Dach werden wir aber trotzdem realisieren. Aus Prinzip. Für mich sind die Qualität der Anlage und die des Installateurs massgebend. Das ist eine Frage der Vernunft.

Als Konsumentin möchte ich mitbestimmen, wer mein Geld erhält - auch deshalb werde ich weiterhin gerne Kundin unserer ortsansässigen Oekostrombörse bleiben.

Zusammen mit den negativen Schlagzeilen der letzten Wochen ist für mich die BKW kein verlässlicher Partner mehr und mein Wunsch nach mehr Demokratie und Eigenverantwortung gerade in Energiefragen ist gross. Aus Weitsicht.

Irene Wernli Muster, Februar 2011


Können wir Restrisiken ausschliessen?

Nein! Ingenieure bauen mit bestem Fachwissen Eisenbahnen, Autos, Flugzeuge, Oelbohrplattformen, Einstellhallen, Seilbahnen, Gasheizungen. Swissmade steht für Qualität und grosse  Sicherheit. Nur, Sie und ich, liebe Leserinnen und Leser, wissen genau, Eisenbahn- und Autounfälle, defekte Oelplattformen, eingestürzte Einstellhallen, abgestürzte Flugzeuge und Seilbahnen, explodierte Gasheizungen, sind eine traurige Realität, die es trotz aller Sicherheit immer geben wird. Dies zeigt klar, dass es die absolute Sicherheit nirgends gibt, auch bei Atomkraftwerken nicht! Im Vergleich zu den erwähnten Unglücken, die immer lokal begrenzt sind, sind die Auswirkungen von Unfälle in Atomkraftwerken, bei Atomabfalltransporten, bei Lagern für Atomabfälle um ein Vielfaches höher und wirken weit über die Landesgrenze hinaus. Die Schadensbehebung dauert nicht Jahre sondern Jahrhunderte! Wollen Sie ein solches Restrisiko eingehen? Ich nicht, und ich will es auch für meine Kinder und Kindeskindeskindes...kinder nicht, insbesondere darum, weil wir mit Effizienz, Sonnen-, Wind- und Wasserkraft einen, zwar auch nicht 100% sicheren, aber viel viel weniger gefährlichen Weg gehen können. Deshalb sage ich NEIN zu neuen AKW!

Antonio Bauen, Januar 2011



Schweizer Suizidrekord und verlorene Waffen

Europarekord der Schweiz bei Suiziden durch Schusswaffen, rund 4500 verschwundene Armeewaffen seit 1969 (siehe Artikel im BUND vom 6.1.11) - sind das nicht ausreichende Gründe für die Annahme der Waffeninitiative?

Wir brauchen die Armeewaffe im Kleiderschrank nicht zur Bürgerwehr und Selbstjustiz gegen Verbrecher, wie uns die Gegner der Waffeninitiative mit ihren Angstplakaten weismachen wollen.

Daher ist ein überzeugtes JA zu WAFFENINITIATIVE zwingend.

Heidi Schacher-Hasler, Psychologin lic.phil., FSP, Januar 2011



Tourismusbranche und AKW-Billigstrom?

Wie wir vor wenigen Tagen den Medien entnehmen konnten, sind die Oberländer Touristiker klar für das neue Kernkraftwerk in Mühleberg. Es sei die Frage erlaubt, ob dieser Entscheid für den längerfristigen Tourismus und die Berggegenden fördernd sein wird. Ich möchte festhalten, dass ich verantwortungsvollen Tourismus mit Zukunft voll und ganz unterstütze und selber ein leidenschaftlicher Skifahrer bin. Immer mehr "Gross-Events" und immer mehr Schneekanonen wird es geben, ob wir das wollen oder nicht. Es sollen immer mehr Touristen in die Bergtäler drängen, was immer mehr Verkehr und mehr Umweltbelastungen nach sich zieht. Um dieses „Turm zu Babel“-Szenario realisieren zu können, brauche es AKWs mit Billigstrom zum grenzenlosen Gebrauch. Will der zukünftige Tourismus sowie die Bergbevölkerung tatsächlich solche Zustände anstreben? Wie wär’s mit etwas mehr Weitsicht, Verantwortung und Masshalten für die Welt von morgen? Als am CERN forschender Kernphysiker würde ich empfehlen, nicht nur vom Massentourismus zu träumen, sondern sich auch über das scheinbar benötigte und viermal grössere AKW-Nachfolgeprojekt Mühleberg samt totgeschwiegenem Atommüll-Zwischenlager Gedanken zu machen.

Jürg Schacher, 15.1.11